ECAB 360

In Kürze

  • Eine tiefgreifende Reform: Das Projekt ECAB360 überarbeitet das gesamte Geschäftsmodell der KGV, um der zunehmenden Bedrohung durch Naturgefahren, die heute 70% der ausgezahlten Entschädigungen ausmachen, proaktiv zu begegnen.
  • Zehn strategische Stossrichtungen: Die Reform umfasst die Unterstützung von Eigentümern, die Digitalisierung, die Tarifgestaltung und Anpassungen in der Unternehmensführung. Sie soll bis 2028-2030 in Kraft treten.
  • Erste Umsetzungen: Die ersten Anpassungen des visuellen Auftritts und die Bereitstellung des Kundenportals MyECAB wurden Anfang 2026 umgesetzt.
  • Antizipatorischer Ansatz: Diese tiefgreifende Reform der aktuell finanziell gesunden KGV zielt darauf ab, den Fortbestand des Unternehmens angesichts des Klimawandels zu sichern.

Eine tiefgreifende Reform zur Sicherung der Zukunft

Angesichts eines sich stark wandelnden Umfelds (Unbeständigkeit der klimabedingten Risiken, derzeitige, ausschliesslich auf Brandrisiken ausgerichteten Tarifgestaltung, Entwicklung digitaler Technologien, Wandel des Arbeitsmarkts, Schwankungen an den Finanzmärkten usw.) hat die KGV im November 2025 nach zweijähriger Vorbereitungszeit eine ehrgeizige strategische Reform mit dem Namen ECAB360 vorgestellt. Diese umfassende Umgestaltung soll die finanzielle Nachhaltigkeit der Einrichtung gewährleisten und gleichzeitig einen hohen Schutz aller Gebäude im Kanton Freiburg aufrecht erhalten.

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Die Naturgefahren im Mittelpunkt

Von 2020 bis Ende 2024 machten die von der KGV zur Entschädigung von Schäden durch Naturereignisse wie Hagel, Unwetter und Oberflächenabfluss geleisteten Zahlungen rund 70% der gesamten in diesem Zeitraum geleisteten Entschädigungen aus, d. h. 170 Millionen CHF von insgesamt 190 Millionen CHF. Dieser Aufwärtstrend spiegelt insbesondere die Zunahme extremer Wetterbedingungen und des Immobilienbestands im Kanton Freiburg wider. Er wirkt sich auch auf die Risikoverteilung aus.

Historisch gesehen ist die KGV ein Unternehmen, das seit 200 Jahren fast ausschliesslich auf das Brandrisiko fokussiert ist. Die letzten 30 Jahre waren jedoch durch eine extreme Unbeständigkeit der Schadenfälle im Zusammenhang mit Naturgefahren sowie einen stetigen Rückgang der Schadenfälle im Zusammenhang mit Bränden gekennzeichnet. Nach zwei Jahrhunderten, in denen das Denken und Handeln von der Brandgefahr geprägt war, muss die KGV eine Neugestaltung wagen: ein integriertes Verwaltungsmodell, das die Risiken durch Naturgefahren in den Mittelpunkt stellt – und zwar für ihre drei Aufgabenbereiche: Prävention, Intervention und Versicherung.

Eine antizipierende Reform

Die KGV ist finanziell gesund. Gerade weil dies der Fall ist, hielt der Verwaltungsrat den Zeitpunkt für günstig, um tiefgreifende Reformen einzuleiten. Dieses Reformprojekt wurde nicht durch eine Notlage oder Krise ausgelöst, sondern durch Antizipation: Die KGV möchte ein solides Unternehmen bleiben und sich die Bedingungen schaffen, um ihre finanzielle Nachhaltigkeit weiterhin zu sichern.

Im Jahr 2024 beauftragte der Verwaltungsrat ein Projektteam mit der Analyse des Umfelds und der Vorbereitung dieser Reform, der Überprüfung aller Aspekte des Unternehmens und der Entwicklung eines Systems, das den zahlreichen gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen gerecht wird und gleichzeitig die Stabilität und Ausrichtung bewahrt, auf denen der Erfolg der KGV beruht.

Eine Umgestaltung um 360 Grad in zehn strategische Stossrichtungen

Die ECAB360 beschränkt sich nicht auf eine einfache Anpassung des Versicherungssystems: Vielmehr wird das Geschäftsmodell in seiner Gesamtheit überdacht, insbesondere mit der Zielsetzung, die Risiken im Zusammenhang mit Naturgefahren in die Tarifgestaltung zu integrieren und den Bedürfnissen der Versicherten mit geeigneten Versicherungsprodukten und -leistungen gerecht zu werden.

In den Vorarbeiten wurden zehn strategische Stossrichtungen festgelegt. Diese sollen die Umgestaltung des Unternehmens bis zum geplanten Inkrafttreten der Gesetzesänderungen im Jahr 2030 leiten.

Diese zehn Stossrichtungen umfassen insbesondere die Entwicklung neuer Begleitdienstleistungen für Eigentümer, die Stärkung einer gewissen Risikokultur, die Entwicklung hin zu einer modernen und digitalen Versicherung, die Beibehaltung des für eine öffentliche Versicherung mit angemessenen Tarifen wesentlichen Solidaritätsprinzips, die Bestätigung der Beibehaltung eines leistungsfähigen öffentlichen Monopols sowie nützliche und notwendige Anpassungen der Unternehmensführung.

Eine klare Vision für 2030

Die Vision von ECAB360 zielt darauf ab, dass Eigentümer die KGV in erster Linie als Unternehmen für Begleitdienstleistungen im Bereich des Gebäudeschutzes und in zweiter Linie als öffentliche Gebäudeversicherung wahrnehmen.

Erste Umsetzungen: Kundenportal und visueller Auftritt

Im Rahmen von ECAB360 wurden im Jahr 2025 bereits zwei wichtige Massnahmen umgesetzt. Zum einen hat die KGV ihr Erscheinungsbild, insbesondere in den digitalen Medien, weiterentwickelt. Der vorläufige visuelle Auftritt hebt das Smaragdgrün als Hauptfarbe hervor, das die Freiburger Landschaft und die erweiterte Aufgabe der Prävention von Naturgefahren widerspiegelt. Dieser evolutionäre Ansatz ermöglicht es, bestimmte Elemente der Umgestaltung bereits jetzt zu realisieren und gleichzeitig die notwendige Flexibilität für die Ergebnisse der ECAB360-Arbeitsgruppen zu gewährleisten.

Andererseits wurde die Entwicklung des Kundenportals MyECAB abgeschlossen, dessen Einführung für Anfang 2026 geplant ist. Diese neue digitale Plattform stellt einen bedeutenden Fortschritt dar. Sie  wird die Effizienz bei der Bearbeitung von Schadenfällen und der Datenverwaltung erheblich verbessern und eine reibungslosere und direktere Kommunikation mit den Eigentümern und Partnern ermöglichen.

Das Portal bietet insbesondere Zugriff auf alle Online-Dokumente, eine Nachverfolgung der versicherten Objekte, die Online-Meldung und -Nachverfolgung von Schadenfällen sowie persönliche Beratung und einem Verzeichnis der verfügbaren Subventionen.

Diese Digitalisierung steht ganz im Einklang mit dem Bestreben des Unternehmens, moderne, schnelle und kundenorientierte Dienstleistungen anzubieten.

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Organisation und Zeitplan

Die ECAB360-Reform wird von einem Ausschuss unter der Leitung des Verwaltungsratspräsidenten gesteuert. Dieser setzt sich aus zwei Verwaltungsratsmitgliedern und zwei Mitgliedern der Geschäftsleitung zusammen. Ein Projektteam unter der Leitung von Didier Carrard, stellvertretender Direktor, und Maxime Buchs, Mitglied der Geschäftsleitung, leitet die Arbeiten. Die Arbeitsgruppen setzen sich aus Mitgliedern des Verwaltungsrats, Mitarbeitenden der KGV sowie externen Personen zusammen.

Der Verwaltungsrat hat den Zeitplan für die ECA-360-Reform im September 2025 gutgeheissen. Die Arbeiten werden sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Die KGV beabsichtigt, dem Staatsrat bis 2027/2028 einen Bericht und einen Gesetzesänderungsentwurf vorzulegen, damit das ordentliche Gesetzgebungsverfahren durchgeführt werden kann und der Grosse Rat in der nächsten Legislaturperiode, d. h. zwischen 2028 und 2030, damit beauftragt werden kann.

Eine verantwortungsvolle und ehrgeizige Reform

Die Reform ECAB360 ist nicht allein durch gesetzliche oder politische Vorgaben begründet. Sie zielt darauf ab, eine langfristige strategische Perspektive zu entwickeln, und entspricht vor allem den Anforderungen der Verantwortung: die eines öffentlich-rechtlichen Unternehmens, das für den solidarischen, effizienten und nachhaltigen Schutz des Kulturguts des Kantons Freiburg zuständig ist. Die KGV muss sich daher mit den Mitteln, Verhaltensweisen und Reaktionsweisen eines modernen Unternehmens ausstatten und gleichzeitig ihren öffentlichen Status als im Interesse der Allgemeinheit handelndes Unternehmen bekräftigen.